Vor 175 Jahren gab es die erste Feuerspritze

Die Freiwillige Feuerwehr Oberteuringen kann auf eine lange Tradition verweisen

 

Eine Chronik, aus der die Gründung eines Feuerwehrwesens in Oberteuringen ersichtlich wäre, gibt es leider nicht.

Dennoch lässt sich mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass im Jahr 1825 bereits ein solches bestand oder zumindest begründet wurde.

In einem Gemeinderatsprotokoll vom 14. April 1825 ist von einem Antrag des Königlichen Oberamts Tettnang die Rede bezüglich der Beschaffung einer

„ handgezogenen Feuerspritze für Oberteuringen“.

 Zwei Jahre später, 1827, verhandelte der Gemeinderat dann,

„da nun in dieser Gemeinde eine Spritze angeschafft und vorhanden ist“,

eine Verordnung „ im Betreff des Gebrauchs der Spritze und der Bedienung derselben“. In dieser Spritze musste das Löschwasser mit Eimern eingefüllt werden. Knapp 70 Jahre später, im Jahr 1891, wurde dann die erste Saugpumpen-Spritze in Dienst gestellt.

 

Das Feuerwehr-Magazin war damals noch im alten Schulhaus untergebracht. Erst 1927 konnten die Teuringer Floriansjünger ihr erstes Gerätehaus im früheren Rathaus in der Adenauerstraße einweihen.

 Zehn Jahre später wurde den Feuerwehrmännern in Oberteuringen die dritte Spritze – erstmals eine TS 8 – vom Luftschutz zugewiesen. Erst die Machthaber des Dritten Reiches führten die „freiwillige“ Feuerwehr ein. Zuvor waren alle männlichen Einwohner über 18 Jahre feuerwehr-dienstpflichtig gewesen. Vor 1937 hatte die Teuringer Wehr 180 Aktive gezählt. Auf Grund der damals bescheidenen Technik, steht in Quellen zu lesen, mussten alle Mann ausrücken, da viele Wasserträger notwenig waren.

 

Dann kamen die Jahre des zweiten Weltkrieges.

Am 8. Februar 1947 erfolgte eine Wiedergründung der Freiwilligen Feuerwehr Oberteuringen unter französischer Besatzungsmacht. 21 Mann wurden damals dem Kommando Ernst Hofers unterstellt, der das Amt des Kommandanten 40 Jahre lang ausübte.

Im Jahr 1952, als die Rotachgemeinde ihr 1200-jähriges Bestehen feierte, konnten die Wehrmänner ihr erstes motorisiertes Löschfahrzeug „LF 8 leicht“ einweihen: einen Opel Blitz 8/8. Mit einer Weihe auf dem St.-Martin-Platz und einem Umzug zum Festplatz auf dem Sportgelände im Rahmen des Kreisfeuerwehrtages wurde 1968 in Oberteuringen die Indienststellung des Mercedes Benz „LF 8 schwer“ gefeiert.

Das alte Feuerwehr-Magazin im alten Schulhaus, schrieb damals die Presse, “entsprach nicht einmal mehr den primitiven feuerwehrtechnischen Anforderungen“. Zwei ehemalige Gefängniszellen im rückwärtigen Teil des Gebäudes waren kaum zu nutzen. Zwei Abstellkammern dienten der Gemeindeverwaltung zur Aktenablage. Abhilfe war vonnöten.

Im Jahr 1978 kauften die Gemeinde Oberteuringen und die Bezugs- und Absatzgenossenschaft Oberteuringen (BAG) ein ehemaliges Gebäude des Hofgutes Roth. In eineinhalb Jahren Bauzeit wurde dieses für rund 430 000 Mark zum Feuerwehrgerätehaus umgebaut.

 

Mit 178 000 Mark beteiligte sich das Land an den Baukosten. Als „ Lehrbeispiel für eine sinn- und zweckvolle Altbausanierung in der ländlichen Gemeinde“ wurde das Projekt in der Zeitung gelobt. Das 78 Jahre alte, aber sehr solide Ökonomiegebäude lag damals zwar abseits von Wohngebiet, dafür aber verkehrsgünstig mitten im Ort, umgeben von weitläufigen Hofflächen. Es besaß zwei Ausfahrten zur Eugen-Bolz-Straße. Eine dritte hätte der Bedarf durch den Bau einer Brücke über den Altweiherbach zur Bachäckerstraße geschaffen werden können. Es blieb bei zwei Ausfahrten. In unmittelbarer Nähe zum neuen Feuerwehrgerätehaus bezog der Bauhof sein Quartier.

Der Umbau des Rothschen Ökonomiegebäudes zum Feuerwehrgerätehaus erfolgte nach Plänen des Architekten Dieter Müller. Im Erdgeschoss entstand eine geräumige Fahrzeughalle, in der drei große Löschfahrzeuge Platz hatten. Eine starke Beton-Massivdecke wurde dafür eingezogen. Neben der Halle gab es einen Werkstattraum mit dem Kommandotisch der neuen Funkalarmanlage. Damit wurde Oberteuringen 1979 direkt an die rund um die Uhr besetzte Friedrichshafener Rettungsleitstelle angeschlossen.

 

Ein vom Kellerboden bis zum Dachfirst 14 Meter messender Schlauchtrockenturm wurde geschaffen, im Keller wurden ein Schlauchwaschraum und ein Raum für die Atemschutzgeräte eingerichtet. Im Obergeschoss des neuen Gerätehauses entstand darüber hinaus ein ansprechender Kameradschafts- und Unterrichtsraum. 50 000 Mark investierte die Gemeinde damals in dessen Einrichtung und die moderne Funkalarmanlage. „ Mit dem neuen Gerätehaus dürften die Raumbedürfnisse der Teuringer Feuerwehr für die nächsten hundert Jahre erfüllt sein“, meinte der damalige Bürgermeistern Franz Xaver Kreuzer. Er konnte nicht ahnen, dass bereits im Jahr 2002 die Teuringer Freiwillige Feuerwehr ein neues Gerätehaus beziehen würde. Auch Ehrungen gab es 1979 im Zuge der Einweihung des neuen Feuerwehrdomizils: Kommandanten im Bodenseekreis das „ Deutsche Feuerwehrkreuz in Gold“, die höchste Auszeichnung des Deutschen Feuerwehrverbands. Oberteuringens damaliger Bürgermeister Kreuzer wurde für seine Verdienste ums Feuerwehrwesen mit der „Deutschen Feuerwehr Ehrenmedallie“ ausgezeichnet.

 

 

Einen „Schutzpatron in Samt und Seide“, eine eigene Fahne, erhielt die Teuringer Freiwillige Feuerwehr im Jahr 1984. Am 22 Juli fand im Rahmen des Florianfests die Weihe des prächtigen Symbols durch Teuringens damaligen katholischen Pfarrer Odilo Jutz statt. 75000 Mark hatte die Fahne gekostet, 5000 Mark hatte die Wehr alleine aufgebracht. Im Beisein von Abordnungen zahlreicher benachbarter Feuerwehren erfolgte die Fahnenübergabe durch die Patenwehr Ailingen unter deren Kommandanten Josef Späth. Nur drei Jahre später, 1987, konnte die Teuringer Wehr die Weihe ihres neuen Löschfahrzeug LF 16 feiern. Das moderne, leistungsstarke und rund 300 000 Mark teure Gerät hat Platz für neun Feuerwehrleute und beherbergt eine komplette löschtechnische Einrichtung für einen Schnellangriff, Atmungsgeräte, Rettungsscheren, Beleuchtungsaggregate, eine Seilwinde und vieles mehr.

1978 war auch ein Jahr des Abschieds der Ehrungen: Bernhard Dietenberger wurde im Februar nach 50 Jahren Feuerwehr-Dienst zum Ehrenmitglied der Freiwilligen Feierwehr Oberteuringen ernannt. Am 24 Juli wurde Kommandant Ernst Hofer nach 40 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Der erst kurze Zeit amtierende Teuringer Bürgermeister Karl-Heinz Beck ernannte Hofer zum Ehrenkommandant der Wehr. Darüber hinaus erhielt Hofer vom stellvertretenden Landrat, dem Leidenden Regierungsdirektor Braun, das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Die Führung der Teuringer Wehr übernahm Franz Bottlinger. Komplettiert wurden die Feuerwehr-

Gerätschaften 1990 mit der Weihe des neu beschafften Mannschaftstransportwagens. 28 000 Mark hatte die Gemeinde für das

neue Gefährt investiert, 18 000 Mark steuerte das Land Baden-Württemberg bei, 9000 Mark der Kreis. Im vergangenen Jahr schließlich gab es einen neuen Mannschaftstransportwagen für die Teuringer Wehr. Am 12. August 2001 wurde Fahrzeugweihe gefeiert.

Längst besteht die Teuringer Freiwillige Feuerwehr nicht mehr nur aus einer aktiven Abteilung. 1991 wurde die Alterswehr gegründet, die unter der Leitung des Ex-Kommandanten Ernst

Hofer mit zahlreichen Aktivitäten aufwartet. Und seit 1992 gibt es auch eine Jugendfeuerwehr. Jugendwart Martin Jehle konnte bislang jedes Jahr neue Anwärter begrüßen. Regelmäßig erfolgt auch ein Übergang einzelner Jugenfeuerwehrler in die aktive Teuringer Wehr. Nachwuchsprobleme kennt die Freiwillige Feuerwehr Oberteuringen seit Gründung ihrer Jugendfeuerwehr keine mehr. Mit Begeisterung sind die jungen Leute dabei. Mit dem Bezug des neuen Feuerwehrgerätehauses an der Teuringer Straße neben dem Bauhof beginnt für die Teuringer Wehr ein neues Kapitel. Kommandant Franz Bottlinger hat nach 15 Jahren die Führung der Floriansjünger abgegeben. Martin Jehle wird künftig die Teuringer Wehr-Mannen kommandieren, in bewährter Manier unterstützt vom stellvertretenden Kommandanten Martin Amann.

 

Große Brandeinsätze

Neben zahlreichen kleineren Einsätzen, darunter Brände, Unfälle, Überschwemmungen, hatte die Teuringer Freiwillige Feuerwehr in jüngerer Zeit auch vier große Brände in ihrer Gemeinde zu bekämpfen. Im April 1968 brannte das Anwesen Fichtner in Bitzenhofen nieder, im September 1982 das Anwesen Hoher, gleichfalls in Bitzenhofen. Rund 100 000 Mark Sachschaden entstanden beim Brand eines landwirtschaftlichen Geräteschuppens des Anwesens Spinnenhirn im Juli1983 in Hefigkofen. Lange in Erinnerung bleiben wird den Feuerwehrmännern auch der 9. Mai 1981: Das 400 Jahre alte Gasthaus „ Zum Schwarzen Adler“ in Neuhaus wurde ein Raub der Flammen. Das zur daneben gelegenen Obstkelterei von Hans Mayer gehörende Gebäude war schon lange nicht mehr bewirtschaftet und seit 15 Jahren auch nicht mehr bewohnt. Der ehemalige Gasthof sollte auf Grund seiner historischen Bausubstanz vom Denkmalamt als Kulturdenkmal eingestuft werden. Eine endgültige Einstufung war aber noch nicht erfolgt. Als Brandursache wurde „Fahrlässigkeit dort die Nacht verbringender Durchreisender“, sprich Wohnsitzloser, angenommen.